Schneelast in Süddeutschland — was Sie bei der Auswahl beachten müssen

Süddeutschland fällt überwiegend in Schneelastzone 2 oder 2a (charakteristische Bodenschneelast 0,85–1,32 kN/m²), Höhenlagen der Schwäbischen Alb ab 600 m in Zone 3 (1,89–3,2 kN/m²). Brait-Standardstatik trägt 200 kg/m² Dachlast — das deckt die meisten Lagen im Service-Gebiet ab. Bei Höhenlagen, Sondergrößen oder Schiebewand-Konstruktionen rechnen wir individuell nach DIN EN 1991-1-3. Lamellendächer müssen bei Schneefall in 135°-Stellung geschlossen werden, damit der Schnee abrutscht statt sich anzusammeln.
Was bedeutet eine Schneelastzone konkret?
Schnellabschätzung Bodenschneelast
- Zone 1 (Norddeutschland): 0,65 kN/m² ≈ 66 kg/m²
- Zone 1a (übergangs): 0,85 kN/m² ≈ 87 kg/m²
- Zone 2 (Mitte/Süd): 0,85–1,12 kN/m²
- Zone 2a (Ulm, Augsburg, Memmingen): 1,32 kN/m² ≈ 135 kg/m²
- Zone 3 (Alpenvorland, Alb ≥6 600 m): 1,89–3,2 kN/m²
- Brait-Standardstatik: 200 kg/m² Dachlast (Sicherheit ≈ 1,8× Eurocode-Mindestwert)
Eine Schneelastzone ist ein in DIN EN 1991-1-3 (sowie der älteren DIN 1055-5) festgelegter Wert für die charakteristische Bodenschneelast in kN/m² — also die Schneemasse, die in dieser Region statistisch einmal in 50 Jahren erreicht wird. Deutschland ist in 5 Zonen unterteilt: 1 (küstennahe, niedrigste Belastung), 1a, 2, 2a, 3 (alpennahe und Höhenlagen). Die Zone gibt nur den Boden-Wert an; auf der konkreten Höhe Ihres Grundstücks wird der Wert per Höhenformel skaliert: je höher, desto mehr Schnee.
Aus der Bodenschneelast wird die Dachschneelast über einen Form-Beiwert µ ermittelt. Flachdächer (Brait Pro-Line bis 5° Neigung, Cube, Lamellendach) haben µ = 0,8 nach Eurocode. Bei einer Bodenschneelast von 1,32 kN/m² (Zone 2a, typisch für Ulm und Neu-Ulm) ergibt das 1,06 kN/m² ≈20 108 kg/m² Dachlast. Brait dimensioniert grundsätzlich mindestens auf 200 kg/m² — das ist die fast doppelte Sicherheit gegenüber Eurocode-Mindestanforderung und deckt auch ungewöhnliche Schnee-Ereignisse ab.
Wo liegt das Brait-Service-Gebiet auf der Zonen-Karte?
Das Brait-Kerngebiet im 100-km-Umkreis um Ulm verteilt sich auf zwei Bundesländer und drei Schneelastzonen. Die Mehrheit unserer Standorte liegt in Zone 2a, wo unsere Standardstatik mit 200 kg/m² deutlich überdimensioniert ist. Kritisch wird es nur in den Höhenlagen — ab etwa 600 m Höhe kippt die Zuordnung in Zone 3 mit deutlich höheren Bodenwerten.
- Ulm (478 m), Neu-Ulm (469 m), Memmingen (601 m), Augsburg (494 m): Zone 2a, 1,32 kN/m²
- Heidenheim (504 m), Aalen (433 m), Göppingen (323 m): Zone 2a, 1,12–1,32 kN/m²
- Reutlingen (382 m), Tübingen (341 m): Zone 2, 0,85 kN/m²
- Sonnenbühl, Bad Urach (Lagen 700–880 m): Zone 3, 1,89–2,4 kN/m²
- Heroldstatt-Ennabeuren (754 m): Zone 3 (höchster Brait-Bauort bisher) — individuell verstärkt
- Berghof (Schwäbische Alb, 800 m): Zone 3, 2,2 kN/m² — verstärkte Sparren erforderlich
Was passiert bei Überlastung?
Bei nicht statisch berechneten Konstruktionen — typischerweise Billig-Importware aus Polen oder Tschechien mit pauschalen 100–150 kg/m² — kann es bei einem ungewöhnlich starken Schneefall zum Versagen kommen. Beispiel: 1,5 m Pulverschnee mit Schmelzwasser-Anteil hat eine Dichte von ca. 200–300 kg/m³, ergibt also 300–450 kg/m² — das Überschreitet eine 150-kg/m²-Konstruktion um den Faktor 2–3. Folgen: Pfosten knicken, Sparren brechen, Glas reißt, Wasserabläufe verstopfen.
Brait-Konstruktionen sind durch individuelle Tragwerksberechnung nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-3) gesichert. Wir berechnen jede Anlage für Ihre exakte Schneelast — inkl. Bodenwert, Höhenkorrektur, Form-Beiwert, Pfostenraster und Glasdimensionierung. Bei Bedarf verstärken wir Sparren von 60 × 40 mm auf 80 × 60 mm, ergänzen Mittelstützen, oder erhöhen die Pfosten-Dimension von 12 × 12 cm auf 15 × 15 cm bzw. 18 × 18 cm. Mehrkosten gegenüber Standardstatik: 8–12 % bei Zone 3, plus ca. 250 € für die individuelle Statik.
Versicherung und Schadensfälle
Gebäudeversicherungen decken in der Regel Sturm- und Hagelschäden ab Windstärke 8 ab. Schneedruckschäden fallen unter „Schneedruck“ und sind je nach Police separat zu versichern. Für Brait-Anlagen empfehlen wir die Aufnahme in die Wohngebäudeversicherung als „fest verbundene bauliche Anlage“ — wir liefern auf Wunsch ein Datenblatt mit Konstruktion, Statik und Bauwert für Ihre Versicherung.
Im (sehr seltenen) Schadensfall reagiert Brait innerhalb von 24 Stunden mit Begutachtung vor Ort. In 30 Jahren Praxis hatten wir bei statisch korrekt dimensionierten Anlagen genau null Versagensfälle durch Schneelast — dokumentiert auch im härtesten Winter 2018/19, als auf der Schwäbischen Alb über 80 cm Schnee mit hohem Wasseranteil fiel.
Lamellendach im Winter — was tun?
Ein Lamellendach muss bei beginnendem Schneefall in die 135°-Position („geschlossen“) gefahren werden. In dieser Stellung überlappen die Aluminium-Lamellen und bilden eine fast geschlossene Dachfläche, von der Schnee genauso abrutscht wie von einem Glasdach. Geöffnete oder halbgeöffnete Lamellen wirken dagegen wie Auffangrinnen — Schnee sammelt sich in den Profilen, schmilzt teilweise an, gefriert nachts wieder und kann die Mechanik beim nächsten Öffnungsversuch überlasten.
Mit dem optionalen Wettersensor wird das automatisch geregelt: Sobald der Sensor Niederschlag erkennt (Regen wie Schnee), fahren die Lamellen in unter 30 Sekunden in 135°. Für Premium-Modelle ist eine Lamellen-Heizung verfügbar (eingebaute Heizdrähte in den Profilen), die Anhaftungen aktiv verhindert — bisher selten gewünscht, aber technisch möglich.
Was ist mit Vereisung und Frost-Tau-Wechseln?
Aluminium 6063 T6 ist völlig frostsicher. Pulverbeschichtungen nach DIN EN 12206-1 zeigen auch nach Hunderten von Frost-Tau-Wechseln keine Rissbildung — der Sika-Test (Norm-Prüfung mit 200 Zyklen −0,5 °C bis +25 °C) wird bestanden. EPDM-Dichtungen bleiben elastisch bis −40 °C, Polyamid-Lager der Lamellen-Drehwellen bis −30 °C.
Bei Glasdächern: Verbund-Sicherheitsglas (VSG) ist nicht frostempfindlich. Schmelzwasser läuft über die in den Pfosten integrierte Regenrinne ab — diese hat ausreichenden Querschnitt (35 × 50 mm Innenmaß) und kann optional mit Heizband ausgerüstet werden, was wir aber nur in absoluten Höhenlagen über 800 m empfehlen. In 30 Jahren Brait-Praxis: kein einziger dokumentierter Schaden durch vereiste Rinnen.